Gehalts- und Vertragsverhandlungen

Published: January 13, 2022

 

In diesem Abschnitt erfahren Sie, worüber Sie – abgesehen vom Gehalt selbst – verhandeln müssen und wie Sie einen guten Gehaltsbenchmark bekommen: Sie wollen sich nicht unter Wert verkaufen, aber auch nicht über den Tisch ziehen lassen.

Die folgende Liste zeigt Ihnen, dass es bei einer Gehaltsverhandlung keineswegs nur ums Gehalt geht. Es ist eine kreative Übung, aus der eindimensionalen Welt des Ziehens an einer einzigen Zahl, dem Gehalt, auszubrechen, wie beim Feilschen auf einem Flohmarkt. Bei Verhandlungen ist es einfacher, über mehr als eine Sache zu sprechen als nur über eine; Sie haben mehr Dimensionen, um kreative Lösungen zu erfinden und sich zu einigen.

Diese Liste ist nicht als Ihre große Weihnachtswunschliste gedacht. Sie sollten damit nicht zu Ihrem (zukünftigen) Arbeitgeber gehen und nach all diesen Dingen fragen; Dies wird sie zweifellos aus dem Rennen werfen. Sie sollten die Liste zunächst unter dem Gesichtspunkt des Gebens durchgehen: Welche dieser Dinge könnte ich meinem (zukünftigen) Arbeitgeber anbieten, die mir nicht sehr weh tun, aber für ihn einen hohen Wert haben? Damit haben Sie wertvolle Verhandlungschips in der Hand. Zum Beispiel: „Ich bin bereit, für meinen Arbeitgeber umzuziehen.“ Danach können Sie die Liste durchsehen und nach den Must-Haves suchen, den wichtigsten Dingen für Sie: Was brauchen Sie unbedingt, um im Job glücklich zu sein? Dies könnte lauten: „Ein solider Ausblick auf persönliche Entwicklung ist für mich entscheidend.“ Mit Ihren Verhandlungschips und Ihren essentiellen Wünschen können Sie mit dem Ziel in die Verhandlung gehen: „Ich möchte gemeinsam mit der Arbeitgeberseite eine Win-Win-Situation finden.“

 

Dinge, über die Sie neben dem Gehalt verhandeln können:

 

  • Gehalt und Extras wie Prämien, Rentenbeiträge und Versicherungen.
  • Gadgets wie Tankgutscheine, Auto, Handy, Laptop und Benzin: alles oft steuerfrei für den Arbeitgeber und taucht nicht in der Gehaltsspalte des Geschäftsberichts auf, was für Investorinnen attraktiver aussieht
  • Befristung/ Entfristung 
  • Ressourcen für Ihre Arbeit – nicht nur für Akademiker. (Welches Budget steht für meine Forschung zur Verfügung? Bekomme ich eine Sekretärin?) Es ist viel einfacher, solche Zusagen zu bekommen, bevor Sie sich für eine Stelle bewerben, als wenn Sie bereits eine Stelle angenommen haben.
  • Karriereentwicklung und vertikale Mobilität. (Wie schnell können Sie die Karriereleiter erklimmen?)
  • Horizontale Mobilität. (Bleibe ich in einer Position stecken oder kann ich umfassend lernen, in verschiedenen Teams / Abteilungen arbeiten?)
  • Flexible Arbeitsbedingungen (flexible Arbeitszeiten, Homeoffice…).
  • Interner Standortwechsel (Kann/ist mit einem Standortwechsel in den nächsten Jahren zu rechnen? Möglich? Voraussichtlich?
  • Anerkennung des Erfahrungsniveaus (Promotion, Postdoc können als Berufserfahrung für die Stufe des TVL bei einer Tätigkeit bei einem öffentlichen Arbeitgeber zählen, müssen das aber nicht)
  • Professionelles Training. (Werden Fortbildungen bezahlt? Wie viele kann ich machen? Muss ich diese in meiner Freizeit oder innerhalb meiner Arbeitszeit machen?)
  • Unkosten für den Umzug
  • Kinderbetreuung. Inhouse Kita oder Zuschüsse (wiederum steuerfrei für den Arbeitgeber).
  • Die Anzahl der Feiertage und Sonderurlaube 
  • Reisen: Wie viel wird benötigt, was wird bezahlt, können Ferien an die Dienstreisen angehängt werden?
  • Dauer der Probe- und Kündigungsfristen. (Achtung: ein zweischneidiges Schwert. Eine lange Kündigungsfrist erschwert den Jobwechsel!)
  • Typische Positions- und Gehaltsverläufe. (Wie sieht ein typischer Karriereweg in Ihrem Unternehmen aus?)
  • Hilfe für Ihren Partner bei der Jobsuche außerhalb oder innerhalb des Unternehmens.
  • Autorenschaften. (Kann ich meine Arbeit veröffentlichen? Für Jobs in der Wissenschaft: Können Sie korrespondierende Autorin für Projekte sein, die Sie entwickelt haben?)
  • Freiberufliche Tätigkeit. (Kann ich neben meinem Job freiberuflich arbeiten?)

Die folgenden Infos beziehen sich auf den deutschen Arbeitsmarkt, viele allgemeine Trends können für das Verständnis der Situation auch im internationalen Umfeld hilfreich sein.

Wenn Sie eine Gehaltsbenchmark benennen müssen, dann fügen Sie erwartete Boni und Extras hinzu und machen Sie deutlich, dass dies der Fall ist. So stellen Sie sicher, dass beide Seiten über dasselbe sprechen.

Wenn Sie Gehaltsbenchmarks für sich selbst recherchieren, dann versuchen Sie herauszufinden, ob diese Boni enthalten oder nicht, sonst haben Sie einen Unsicherheitsfaktor von 5-20%. Wo möglich haben wir erwähnt, welche dieser Quellen den Bonus enthalten oder nicht. Hinterfragen Sie alle Quellen danach, wie gut sie zu Ihrer Situation passen: Region, Qualifikationsniveau, Studienrichtung und Art der Tätigkeit.

Um Ihre Gehaltsbenchmark zu finden, benötigen Sie mehr als nur einen Informationspunkt; Sie müssen verstehen, wie alle individuellen Einflussfaktoren in Ihrer Situation zusammenspielen.

 

Jobvector

Diese sehr gute Übersicht zu Gehaltsbenchmarks für Naturwissenschaftler und Ingenieure wurde leider seit 2015 nicht mehr aktualisiert. Sie können sich ein Bild über den Einfluss von Bildungsgrad, Berufsfeld, Unternehmensgröße, Arbeitgebertyp und vielem mehr machen. Ob Boni in den Benchmarks enthalten sind, wird nicht angegeben, vermutlich sind sie es nicht. Jobvector bietet jetzt ein aktuelleres Gehalts-Benchmarking-Tool an, um sich ein Bild von Ihrem aktuellen Gehalt und davon zu machen, ob Sie über- oder unterbezahlt sind.

 

GDCh- Gesellschaft Deutscher Chemiker

Eine informative Broschüre, die einen Abschnitt über Gehälter enthält.

Alle von der GDCh genannten Gehälter beinhalten alle ChemikerInnen, nicht nur diejenigen, die bei Arbeitgebern nach den Tariflöhnen arbeiten (die VAA zitiert, siehe unten, speziell für Führungskräfte). Die von der GDCh genannten Gehälter sind „all-inclusive“, d.h. sie beinhalten alle Sonderzahlungen wie Prämien, Weihnachtspakete etc.

Wenn Sie einmal jährlich die Gesamtsumfrage der GDCh ausfüllen, erhalten Sie Zugang zu den genauen Daten dieser Studie.

Chemikerinnen und Chemiker in großen Betrieben erhalten mindestens den tarifvertraglich vereinbarten Lohn. Im zweiten Jahr nach dem Abschluss erhalten MSc-Absolventen mindestens 67 600 € Bruttojahresgehalt, Promovierte 78 750 € (2020), soll 2021 um 1,4 % steigen ( NCh 2020, Feb, S. 18). Das Gehalt des ersten Jahres kann frei ausgehandelt werden. Dies trifft auf die meisten KMU (kleine und mittlere Unternehmen) nicht zu.

Große Unternehmen zahlen ihren leitenden Angestellten [1] im Durchschnitt 31 % mehr als KMU.

Über alle Altersgruppen hinweg beträgt das Durchschnittsgehalt 134.000 € für die große chemische Industrie, 94.500 für andere Arbeitgeber in der Privatwirtschaft. Jedes Jahr Berufserfahrung bringt etwa 3000 Euro Einkommen. Die Promotionszeit zählt als Berufserfahrung in Bezug auf das Gehalt.

Der Anteil der Bonuszahlungen am Gesamtgehalt steigt mit der Unternehmensgröße. 10 % für Unternehmen <1000 Mitarbeiter, 18 % für >10000 Mitarbeiter,

F&E-Jobs werden unterdurchschnittlich bezahlt, Produktion und Vertrieb überdurchschnittlich.

 

Öffentlicher Dienst

Dies ist eine Übersicht der einzelnen Gehaltstabellen. Beachten Sie, dass Sie, obwohl es scheint, als wäre alles in Stein gemeißelt, einen wesentlichen Teil Ihres Gehalts für Jobs im öffentlichen Sektor aushandeln können: Die Erfahrungsstufen können entweder Ihre Erfahrung als Doktorandin beinhalten oder nicht, was mehrere hundert € Unterschied in Ihrem monatlichen Gehalt ausmacht.

 

BIO Deutschland

Gehaltsbenchmarks für die Biotech-Branche. Die Zahlen beinhalten Boni und werden nach Art der Tätigkeit (Abteilung) und Erfahrungsjahren differenziert.

 

Academics

Artikel über die Gehälter von Chemikern bzw. Biologen. Einflussfaktoren werden erläutert und mit statistischen Zahlen untermauert, die gute Hinweise auf die Gehaltsbenchmark für Ihre individuelle Situation geben.

DoktorandInnen in Biologie können langfristig mit einem Jahresgehalt von rund 70.000 € rechnen, wenn sie in der Privatwirtschaft arbeiten. Der PhD-Titel erhöht das Gehalt eines Biologen um durchschnittlich 10%.

Berufseinsteigerinnen in der Chemischen Industrie (inkl. Technische Assistenten? Der Artikel sagt das nicht) bekommen durchschnittlich 52 200 € Einstiegsgehälter. Bei Forschungsinstituten liegt der Durchschnitt bei 38.450 €; der Gesamtdurchschnitt liegt bei 43 700 €. Im Durchschnitt (nicht nur Berufseinsteiger) erhalten MSc-ChemikerInnen 57 000 €, promovierte ChemikerInnen 63 000 €.

Wer zehn Jahre als MSc Chemie arbeitet, verdient durchschnittlich 70 000 €. Führungsverantwortung wirkt sich wie ein großes Plus auf der Gehaltsabrechnung aus. MSc-ChemikerInnen mit Personalverantwortung verdienen durchschnittlich 92 800 €, solche ohne 58 500 €.

 

Lohnspiegel

Durchschnittsgehälter, ermittelt durch eine langjährige Online-Befragung. Sind auf Deutschland Ost/West und Männer/Frauen für Hunderte von Jobtypen verfeinert.

 

Arbeitsagentur 

Sie können Durchschnittsgehälter gefiltert nach Fachgebiet, Qualifikationsniveau und Region erhalten.

Weitere Seiten, die Ihnen Gehaltsbenchmarks anbieten:

Statista

Gehalt.de

Glassdoor

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[1] Der Begriff "Leitende Angestellte" bezieht sich auf Führungspersonal mit größerer Verantwortung als ein bloßer Teamleitungen. Leitende Angestellte können Kündigungen selbst unterschreiben, um nur ein Beispiel zu nennen. Der Begriff bedeutet nicht unbedingt, dass diese Führungskräfte in (Vorstands- und Beirats-)Vorständen sitzen, die in den meisten großen Organisationen die höchste Hierarchieebene darstellen.

Interessiert daran, mehr über das Thema zu erfahren?

Unser Workshop Verhandeln befähigt Sie, erfolgreich in Gehalts- und Vertragsverhandlungen zu gehen. Sie können dieselben Prinzipien auch für komplexere Verhandlungen wie Konfliktlösungen anwenden. 

Unser Vortrag Harvard Verhandlungsprinzipien gibt einen knapperen Einblick in diese wirkungsvollen Verhandlungsprinzipien. 

In unseren Workshops und Vorträge finden Sie noch mehr Inhalte mit Bezug auf Verhandlungen. Das Thema “Konfliktmanagement” innerhalb des Workshops Führungskräftetraining: Wie rudern Sie das Boot?  behandelt den Gebrauch der Verhandlungsprinzipien für Konfliktlösung. In unseren Karriereworkshops lernen Sie, diese Prinzipien auf Gehaltsverhandlungen anzuwenden. 

Die Harvard Verhandlungsprinzipien werden im Buch Getting to Yes von Fisher and Ury sehr anschaulich beschrieben. 

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