Lebenslauf und Anschreiben: Ihre Bewerbungsunterlagen

Hier finden Sie Beispiele für Lebenslauf und Anschreiben!

Das Anschreiben

Der Einstieg des Anschreibens

Willkommen zum ersten Absatz Ihres Anschreibens- und das könnte auch schon der Letzte sein, den Ihre Leserin sich ansieht bevor die ganze Bewerbung in der runden Ablage landet! Hilfe! Ein kreativer Text, der auf keinen Fall jemandem auf die Nerven gehen darf! Oftmals wird das Problem damit angegangen, oder besser umgangen, die Leser in einen wohligen Büroschlaf zu versetzen: „Hiermit bewerbe ich mich für die Position…“ Damit hätten Sie aber die beste Chance verpasst, Interesse an Ihrer Bewerbung zu wecken, Sie präsentieren ja nur Informationen, die die Leser bereits besitzen- sie haben die Position ja schließlich selbst ausgeschrieben! Aber keine Panik, in diesem Abschnitt finden Sie Ideen, wie man einen guten Einstieg finden kann.

FH Professur

„Kann man als Bindeglied zwischen Hochschule und Industrie, zwischen Forschung und Anwendung dienen und sich gleichzeitig einer intensiven Lehrtätigkeit widmen? Um diese Frage zu beantworten suchte ich vor einiger Zeit den Austausch mit mehreren Fachhochschulprofessoren, die mir ein detailliertes Bild dieses Berufs geben konnten. Besonders angetan war ich in den Gesprächen davon, dass der direkten Arbeit mit den Studenten eine größere Bedeutung beigemessen wurde als an einer Universität.“

Um Aufmerksamkeit für die restliche Bewerbung zu wecken, müssen Sie nichts Aufdringliches tun, kleine Variationen der üblichen Formulierungen oder im erwarteten Lesefluss genügen bereits. In diesem Beispiel wird der erste Satz als Frage formuliert, die Leserin wird dadurch automatisch in den Rest des Geschehens eingebunden. Nachdem sie zwanzig Anschreiben weggeschmissen hat, die allesamt mit „Hiermit bewerbe ich mich auf…“ begannen, wird sie jetzt hoffentlich ihre Lesebrille zurechtrücken und weiterlesen.

Dieser Absatz umgeht auch eine zweite Falle, Informationsüberflutung. Das sieht dann üblicherweise so aus: „Ich bewerbe mich… Meine bisherigen Erfahrungen/ Fähigkeiten in den Bereichen A, B und C sowie D machen mich zum idealen Kandidaten für eine Position, die die Fähigkeiten E, F und G erfordern … bei einem Arbeitgeber, der bekannt ist für H, I und J…“ Als Leser fällt es nach so einem Satz schwer, sich auch nur an ein einziges dieser vielen Details zu erinnern, die ungeordneten Informationsschnipsel verschwimmen im Gehirn der Leserin. Im Beispielabsatz werden dagegen nach dem ersten Satz nur zwei Informationen gegeben:

  1. Der Bewerber hat seine Hausaufgaben gemacht und aktiv Berufserfahrene kontaktiert. Implizit wird noch mitgeteilt, dass der Bewerber diese Leute auch davon überzeugen konnte, diese Information mit ihm zu teilen und ihm die Zeit dafür zu schenken.
  2. Der Kontakt mit Studenten ist bei der Berufswahl die absolute Prio 1 für ihn. Diese klare Aussage wird nicht durch das Erwähnen der Prios 2 und 3 verwässert.

Es wird also mit wenig Information bereits in diesem ersten Absatz ein konkretes Bild des Bewerbers in den Kopf der Leserin transportiert, nämlich das einer proaktiven Person, die weiß worum es bei der Position geht und die mit Leidenschaft an genau diese Herausforderungen gehen möchte.

Ein weiteres Detail, das in diese paar Zeilen einfließt: Der Bewerber bezieht sich auf Kollegen der Leserin. Obwohl die Referenzen anonym bleiben, hebt es den Bewerber dennoch ein Stück weit aus der Anonymität heraus. Dies würde sicherlich noch verstärkt werden, wenn ein Name genannt würde, etwa: „Während meiner Diskussion mit Ihrem Kollegen Dr. Kulinsky wurde mein positiver Eindruck Ihrer Firma als Arbeitgeber verstärkt.“ Sie bringen diese Referenz als lebendige Unterstützung in Ihren Brief, es wird dadurch deutlich schwerer, Sie komplett zu ignorieren. Der Anfang Ihres Anschreibens ist am besten geeignet, diese Fürsprecher ins Rennen zu schicken, da niemand etwas von Ihrer Referenz lesen kann, wenn sich die Bewerbung schon im Abfall befindet.

Verkauf

„Im Gastronomiebetrieb meiner Eltern habe ich schon früh Erfahrungen im Dienstleistungssektor sammeln können. Dabei war mir der persönliche Kontakt zu den Kunden stets ein Anliegen. Damals war der Grund einfach; das Trinkgeld fiel dann oft deutlich höher aus.

Heute, gut 15 Jahre später, habe ich ein erfolgreich abgeschlossenes Promotionsstudium im Bereich Mikrobiologie vorzuweisen. Die Freude am Kontakt mit Menschen und an Beratung und Verkauf jedoch sind noch immer ungebrochen.“

Der erste Absatz ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie man mit einem ungewöhnlichen Einstieg Aufmerksamkeit erweckt. Eine kleine Geschichte aus der Jugend wird erzählt. Das ist sicherlich schon genug, um die Leserin aus dem Halbschlaf zu wecken. Gleichzeitig hat die Geschichte einen direkten Bezug zur Position und gibt einen sympathischen Einblick in die Persönlichkeit des Bewerbers. Und auch hier ist der Einstieg nicht überladen, die einzige explizite Information ist die Mitarbeit im Betrieb der Eltern. Sämtliche Informationen werden implizit durch das Bild übertragen, das die Leserin im Kopf tragen wird:

– ein unternehmerischer und service-orientierter familiärer Hintergrund,

– Geschäftssinn von jungen Jahren an,

– Verknüpfung eigener finanzieller Interessen mit denen der Kunden,

– offene Persönlichkeit, die (unverfängliche) Details von sich preisgibt,

– kreative Person, die so einen Einstieg ins Anschreiben wagt.

Die Leserin wird in diesem Fall von Anfang an in das Anschreiben mit einbezogen.

Patentprüfer am Europäischen Patentamt (EPO)

„Ich war acht Jahre alt, als mich meine Mutter fragte was ich denn einmal werden wolle und ich antwortete ohne mit der Wimper zu zucken: „Ich möchte gerne Patentprüfer werden.“

Was macht diese Geschichte so ungemein unglaubwürdig? Wahrscheinlich ist es die Tatsache, dass man in dem Alter noch kein Interesse an einer Tätigkeit hat, die eine derart ungewöhnliche Zusammenstellung an Aufgaben mit sich bringt und entsprechend unterschiedliche Fähigkeiten erfordert. Und obwohl LEGO mittlerweile nach dem „Hobbit“ und den „Superheroes“ auch schon den „Wissenschaftler“ produziert, ist es immer noch kaum vorstellbar, dass es eines Tages auch den „Patentprüfer“ geben wird. Deshalb haben die Kinder von heute, genau wie ich selbst damals, noch keine Möglichkeit, das Patentwesen angemessen positiv zu bewerten.

Heute, als Erwachsener, könnte ich allerdings eine derart entschlossene Antwort geben. Ja, ich will mich täglich aufs Neue intellektuellen Herausforderungen stellen. Ja, ich möchte in einem hochgradig internationalen Umfeld arbeiten. Und ja, ich möchte mich zum jetzigen Zeitpunkt in meinem Leben in ein neues Fachgebiet einarbeiten. Ich will Patentprüfer beim EPO werden und ein kritisches, faires und kompetentes Gegenstück zu den Erfindern von heute sein.“

Das also ein Beispiel aus der Rubrik Selbstmord-Anschreiben. Der Adressat ist eine Einrichtung der öffentlichen Hand voller Beamter, die den ganzen Tag damit verbringen, Patente auf ihre Stichhaltigkeit zu prüfen. Die Bewerberin schreibt in einem kreativen Ton als würde sie sich bei der Journalistenschule bewerben. Warum um alles in der Welt tut sie das?

Der Grund für so ein „riskantes“ Anschreiben liegt in folgendem Leitsatz:

„Je unsicherer Sie sich bei einer Bewerbung fühlen, desto mehr Risiken sollten

Sie eingehen. Desto sicherer Sie sich bei einer Bewerbung fühlen, desto weniger

Risiken sollten Sie eingehen.“

Das klingt zuerst einmal mindestens kontraintuitiv, wenn nicht gar unsinnig. Allerdings ist das Schreiben von Bewerbungen auch eine Aktivität, die sich von den meisten alltäglichen Aktivitäten unterscheidet. Nehmen wir mal das Autofahren. Hier sollte man vorsichtig fahren, wenn die Straßenlage unsicher ist, schnelleres Fahren bietet sich, wenn überhaupt, nur bei guten Wetter- und Straßenbedingungen an. Beim Autofahren ist der Normalfall, dass man sicher ankommt. Die Sanktion im Falle eines Fehlers kann im schlimmsten Fall den Tod bedeuten. Die Belohnung eines riskanten Fahrstils sind ein paar Sekunden Fahrzeit, die man sich dadurch sparen kann.

Bei Bewerbungen trifft genau das Gegenteil zu. Die meisten Ihrer liebevoll formulierten Schreiben werden zu keiner Einladung oder gar einem Angebot führen. Die Sanktion ist im Misserfolgsfall der Verlust von ein paar Stunden Ihrer Zeit. Der Preis, der im Erfolgsfall winkt ist dagegen riesig- das heißersehnte Angebot! Dies ist der Grund für das kontraintuitive Risikomanagement im Vergleich zu alltäglichen Beschäftigungen.

Durchschnittliche Bewerbungen, die von durchschnittlichen Bewerbern für durchschnittliche Stellen geschrieben werden, dürften eine Erfolgsquote- ein Stellenangebot- von vielleicht 1‑5% haben. Wenn man sich bei beliebten, international tätigen Arbeitgebern wie dem EPO bewirbt, kann man für alle außer den allerbesten Bewerbern von Chancen weit unter 1% ausgehen. Was hat man also zu verlieren? Ein langweiliger Einsteiger ins Anschreiben wird Ihre Chancen auf exakt 0% reduzieren, da Sie damit schlicht nicht aus dem Meer an Bewerbungen hervorstechen werden. Ein riskanter Start, wie hier dargestellt, eröffnet die kleine Chance, den Geist des Lesers gerade an der richtigen Stelle zu kitzeln, damit Ihre Bewerbung auf dem Stapel zur genaueren Sichtung landet. Das einzige Risiko dabei ist, dass ein namenloser Assistent, der zur Vorsortierung abgestellt wurde, Sie komisch findet. Na und?

Das andere Ende des Spektrums sind “sichere” Bewerbungen: Sie haben gute Chancen, eingeladen zu werden, entweder weil Ihr Profil extrem gut auf die Stelle passt oder weil Sie bereits einen Fuß in der Türe haben, indem Sie einen Insider kennen. Das sind die wirklich „riskanten“ Bewerbungen, da Sie jetzt diese äußerst wertvolle Ausgangslage zu verlieren haben. In diesem Fall liegt die Herausforderung darin, sich keinen Schnitzer zu erlauben. Wenn Sie nämlich Pech haben, dann sitzt im Auswahlgremium genau diese eine chronisch frustrierte, nörgelnde Person, die ihren Ärger an Ihnen auslässt weil sie irgendetwas an Ihrer Bewerbung nicht leiden kann. In diesem Fall sollten Sie also durch eine fehlerfreie und tendenziell vorsichtige Bewerbung verhindern, zur Zielscheibe der negativen Gefühle dieser Person zu werden.

Die Bewerberin in Beispiel 3 hat also eine 90%ige Chance, in der Vorsortierung ausgemustert zu werden. Großartig! Viel besser als die 99% für ein langweiliges Anschreiben.

Noch ein Hinweis zum Schreibstil. Der letzte Absatz in Beispiel 3 entzerrt einen typischen Dreiklang an Argumenten („Ja, ich will A, B und C“) in drei einzelne Sätze, die alle mit einem klaren „ja“ beginnen. Solch ein Stilmittel zielt darauf ab, Spannung aufzubauen, die Argumente einzuhämmern und sie einprägsamer zu machen. Die Autorin bleibt ihrem kreativ-riskanten Stil treu, da man solche Stilmittel sonst eher aus dem Marketing oder von politischen Reden kennt. Es spricht aber kein Grund dagegen, zu versuchen, mit einer solchen Struktur hervorzustechen, solange sie zum restlichen Text passt und das Anschreiben damit nicht zu abgehoben klingen lässt.

Muss ich mein Kind verschweigen, um den Job zubekommen?

kid playingIm Vergleich mit anderen Ländern erzählen die Deutschen ganz schön viel über sich selbst im Lebenslauf. Und ich spreche hier nicht über die klassischen „Lebenslauf-Bausteine“ wie „Arbeitserfahrung“ und „Ausbildung“, mit denen man seine Fähigkeiten darstellen kann und soll. Ich spreche hier von den persönlichen Angaben. Ein Bild der Bewerberin im Business-Look, das Geburtsdatum, alle Kinder mit Altersangabe oder der Familienstand – all diese Daten gelten bei vielen in Deutschland als selbstverständliche Bestandteile eines klassischen Lebenslaufes. Aber warum? Wie viele persönliche Daten muss oder soll man eigentlich preisgeben, wenn man sich auf einen Job bewirbt? Read more…