Berufe in der Industrie: Produktionsleiterin

shutterstock_123525319Wenn die Industrie an sich das „wahre Leben“ sein soll, dann ist die Produktion das schlagende Herz dieses wahren Lebens. Doch welche Herausforderungen warten auf eine Produktionsleiterin, wie sieht das Alltagsleben aus?

Die Haupttätigkeit ist das Tragen von Verantwortung. Das bezieht sich zuerst mal auf den Produktionsprozess selbst. Dieser muss glatt laufen und das oftmals sogar rund um die Uhr. Dies wiederum geht natürlich nur mit einem entsprechend großen Team aus Ingenieuren und Laboranten. Das Arbeiten ist also geprägt von großer Personalverantwortung mit allen zwischenmenschlichen und bürokratischen Aufgaben, die das mit sich bringt. Das Arbeitstempo ist durch den Produktionsprozess getaktet, es kommt dadurch selten vor, dass man ungestört arbeiten kann. Diese Medaille hat aber auch eine positive Kehrseite, wie diese Produktionsleiterin beschreibt:

„Akademische Forschung hat mich nicht glücklich gemacht, schlicht und ergreifend. Ich bin die Art von Person, die klare Ziele und das Gefühl benötigt, diese auch in absehbarer Zeit erreichen zu können. Hochschulforschung verlangt eine gewisse Geduld und noch mehr Hingabe. Ich wollte unbedingt in ein Arbeitsgebiet, bei dem man schneller Ergebnisse sieht und in der Produktion geschieht das Batch für Batch!“

Und dann gibt es noch die Verantwortlichkeiten für das Senken der Produktions- und Personalkosten bei gleichzeitiger Erhöhung der Produktivität. Das sieht erstmal nach einem gordischen Knoten aus, doch wollen wir hier lieber die Hilfsmittel erwähnen, mit denen diese Aufgaben erfolgreich gemeistert werden können. Delegieren, Planen, Vertrauen und Kontrollieren sind wohl die wichtigsten Instrumente dabei. Und um auf dem Weg zu einem immer (kosten-) effektiveren Prozess nicht zwischen den Anforderungen von Management, Mitarbeiterzufriedenheit und Arbeitssicherheit zerrieben zu werden, hilft nur eine sehr klare und offene Kommunikation.

So etwa zum Vorgesetzten: „Klar ist das technisch möglich. Aber leider illegal- wenn ich das trotz unserer Sicherheitsvorschriften so umsetze kann mich das ins Gefängnis bringen. Ich schlage folgende Alternative vor.“

Oder zu den Mitarbeitern: „Mein Chef würde das ein „Lernfeld“ nennen, doch wie man es auch nennt, das Kind ist in den Brunnen gefallen. Lass uns die Ursachen morgen genauer ansehen, jetzt müssen wir erstmal schauen, was hier noch zu retten ist. Ruf bitte den Ralf an, ob er zwei Stunden früher zur Spätschicht kommen kann, ich schau mir unterdessen das Protokoll genauer an.“

Viele Produktionen, insbesondere in großtechnischen Anlagen, sind stark männlich geprägte Umfelder. Wenn Sie hier als Frau in eine leitende Position einsteigen bringt das natürlich seine ganz eigenen Chancen und Herausforderungen mit sich. Hier zwei sinngemäß wiedergegebene Eindrücke von Produktionsleiterinnen:

 „Weder in dieser noch in anderen Positionen war es jemals ein Thema, dass ich als Frau Vorgesetzte von Männern war. Dass ich diesen Weg  als Frau beschritt fiel mir nie als besonders auf, auch als arbeitende Mutter wurde ich nie in Schubladen gesteckt, weder in der Arbeit noch privat.“

„Am Anfang war mein Berufsleben recht hart. Ich war die einzige Frau in meinem Team, einer Produktion für rekombinante Antikörper, und die Mitarbeiter freuten sich nicht gerade auf eine Vorgesetzte, die jung und unerfahren war. Und die Tatsache, dass ich eine Frau bin, war für sie irgendwie unangenehm, denn die Produktion war ja schließlich ein Ort für Männer, nicht für Frauen… Sie waren recht hart zu mir, es lief sogar eine Wette, wie lange ich es aushalten würde bevor ich kündige. Zum Glück hat sich die Situation verändert. Ich arbeitete neun Jahre in dieser Anlage. Die meisten der Kollegen, die anfangs Probleme damit hatten, mich zu akzeptieren, schlossen mich in ihre Abschiedswünsche ein, wenn sie in den Ruhestand gingen. Ich bekam zu meinem eigenen Abschied ein großes Geschenk und viele Umarmungen.“

In der Regel muss man keinen gordischen Knoten anpacken, um eine Produktion führen zu können. Das wäre sowieso zu langwierig für das ständig pulsierende Herz der Firma. Sprechen wir lieber von jonglieren, das kann man in der Regel schon in acht Stunden am Tag schaffen, trotz 24-Stunden Betrieb. Wenn denn alles läuft: In kaum einer anderen Position ist man von unvorhergesehenen Pannen so stark betroffen. Man sollte also den (potentiellen) Arbeitgeber fragen, wann man zu welchen Sondereinsätzen verpflichtet ist und dann sich selbst und gegebenenfalls seine Familie, ob man sich darauf einlassen will. Und wenn ja, dann mal Ärmel hoch und los!

 

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