Archive | Juni, 2016

Nachrichten aus der Chemie_ NaturalScience.Careers

Kolumne: Die Frau mit der Knarre

Ich sitze mit zwei Freundinnen, beide Teamleiterinnen, am Küchentisch. Wir sprechen über die Bewerbungen, die sie bearbeiten. Blues schallt aus den Lautsprechern. Diese Musik habe heute Morgen eine Bewerberin meiner Freundin empfohlen. „Du hast mit ihr über Hobbys gesprochen?“ frage ich. „Immer, das ist der interessanteste Teil des Interviews“, sagt sie, „die fachliche Qualifikation sehe ich im Lebenslauf. Die Person dahinter kann ich mir bei den Hobbys anschauen.“ Das stimmt, denke ich, wende aber ein: „Ich finde es in vielen Fällen besser, die Hobbys ganz aus dem Lebenslauf zu lassen.“ Geocaching, Marmelade kochen, Marmorkuchen backen – alles schön und gut. Aber auch wenn solche Aktivitäten beim Personaler keine Bedenken wegen Verletzungsgefahr hervorrufen, sehe ich keinen Grund, sieDie Frau mit der Knarre- Karin Bodewits der Welt mitzuteilen. Beide stimmen mir zu. Hobbys im Lebenslauf sind ein schwieriges Thema.

Neulich diskutierte ich mit Naturwissenschaftlern über ihre Lebensläufe. Mit einer Ausnahme hatten alle ihre Hobbys aufgeführt, und fast allen riet ich, sie rauszunehmen. Ausnahme war eine Leistungsschwimmerin, die sogar zur Nationalmannschaft gehörte. „Drin lassen. Leistungssport, Topnoten an der Uni und dann noch eine Promotion sagen viel über Ihre Persönlichkeit aus.“ Die Doktorandin, die ihre Hobbys nicht in den Lebenslauf geschrieben hatte, meldete sich zu Wort: „Ich betreibe ebenfalls Sport auf nationaler Ebene, doch habe ich mich dagegen entschieden, es im Lebenslauf zu erwähnen.“ Auf Nachfrage erzählte sie, dass sie Sportschützin sei. Eine meiner Freundinnen am Küchentisch fragt, was ich der Teilnehmerin geraten habe. „Ich würde das Sportschießen wahrscheinlich erwähnen. Als Empfängerin der Bewerbung würde ich sie dann einladen, egal wie gut qualifiziert sie ist.

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