Part I: Hey boss, I’m pregnant! (German)

Diana Merian (Pseudonym) hat gerade ihr Masterstudium in aquatischer Ökologie abgeschlossen, als sie nach einigen Monaten erfuhr, dass sie schwanger ist. Einerseits freut sie sich, dass sie eine junge Mutter sein wird, gleichzeitig besteht aber die Angst, dass der bislang beeindruckende Lebenslauf wertlos wird. Wir haben sie gecoacht und ihr Ideen gegeben, damit sich ihre Chancen erhöhen, während der Schwangerschaft beruflich am Ball zu bleiben. 
Ein Jobangebot, um ihren Studentenjob weiterzumachen, hat sie schon in der Hand, aber nur mündlich. Das Angebot will sie unbedingt behalten, ihr Chef weiß aber noch nicht, dass sie schwanger ist. Gut vorbereitet geht sie in das “Hallo Chef, ich bin schwanger”- Gespräch und berichtet uns hier, wie es lief.

Bis Ende des ersten Schwangerschafts-Trimenons wollte ich warten, um meinem Chef von meiner Schwangerschaft zu berichten. Während dewomen in sciences Studiums war ich auf Minijob-Basis beschäftigt. Kurz vor meinem Abschluss kam das Angebot, bis zu einer Halbtagsstelle aufzustocken. Wenige Tage später hielt ich mit zittrigen Händen den positiven Schwangerschaftstest in den Händen. Es war ein Zittern aus Freude und Angst zugleich. Ich hatte zwar das mündliche Angebot meines Chefs, doch schriftlich hatte ich noch nichts. Das deutsche Recht schütze mich, ich solle unterschreiben und danach meinem Chef die Nachricht überbringen, wurde mir geraten. Doch bei dem Gedanken war mir unwohl, ich wollte das gute, vertraute Verhältnis durch Verschweigen der Tatsachen nicht stören. Da es in den ersten drei Monaten (vor allem bei Erstschwangerschaften) häufig natürliche Abgänge gibt, nahm ich mir vor, bis dahin mit der Nachricht zu warten.

All die Dinge, die wir im Voraus planen können, wollte ich durchdacht haben und meinem Chef vorlegen.

Ich habe mich auf das Gespräch gut vorbereitet und die rechtlichen Rahmenbedingungen geklärt. Wie lange gilt der Mutterschutz? Wer zahlt in dieser Zeit mein Gehalt, die Krankenkasse oder der Arbeitgeber? Wovon ist die Gehaltshöhe während des Mutterschutzes abhängig? Mit meinem Partner habe ich lange und ausführlich darüber gesprochen, welche Möglichkeiten es gibt, damit wir beide im Beruf bleiben, aber auch gemeinsam Eltern sind. Welche Formen der Elternzeit gibt es? Können wir beide Teilzeit arbeiten? Auf wie viele Blöcke können wir die Elternzeit aufteilen? Natürlich spielen noch viele andere Faktoren, die wir nicht beeinflussen können mit hinein, zuallererst natürlich das Kind selbst. Aber all die Dinge, die wir im Voraus planen können, wollte ich durchdacht haben und meinem Chef vorlegen.

Meine Hände fangen an zu schwitzen, mein Herz rast. Was ist, wenn er einen Rückzieher macht und ich den Halbtagsjob nicht bekomme?

Die drei Monate sind vorbei, ich schreibe meinem Chef eine kurze Mail, ob wir uns treffen können, ich hätte da etwas Wichtiges zu besprechen. Obwohl ich mir vorgenommen hatte, meine Nachricht ganz am Anfang zu überbringen, sprechen wir doch erst über Alltägliches. Meine Hände fangen an zu schwitzen, mein Herz rast. Was ist, wenn er einen Rückzieher macht und ich den Halbtagsjob nicht bekomme? Bis ich ein interessantes Stellenangebot finde sieht man mir die Schwangerschaft sicherlich schon an, kriege ich dann noch eine Stelle? Wenn nicht, dann kann ich mich erst wieder nach dem Abstillen bewerben, in einem Jahr ungefähr. Und wenn dann ein zweites Kind kommt? Dann sind auf einmal fünf Jahre vorbei und ich habe den Berufseinstieg verpasst. Ich merke, dass mein Kopfkino überhand nimmt und ich meinem Chef nicht mehr zuhöre. Den letzten Satz kriege ich nur halb mit, dann spricht er den neuen Vertrag an. Jetzt ist der Moment, dann platzt es aus mir raus: „Ja, deswegen wollte ich mit dir sprechen. Ich bin schwanger.“ Mein Chef wird hochrot und im selben Moment schießt mir seine Hand über den Tisch entgegen. „Herzlichen Glückwunsch!“ Dann stelle ich meinen eingeübten Plan vor: dass ich den Mutterschutz nicht voll ausnutzen brauche wenn ich Home-Office machen kann, dass mich mein Partner unterstützt und wir uns die Elternzeit teilen, dass es zwei einsatzfreudige Omas gibt. So viel wollte mein Chef gar nicht hören, er hat selbst zwei Kinder und weiß, wie einfach sich dann die eigenen Pläne ändern können. Zu den Hauptbürozeiten müsse ich schon anwesend sein, ansonsten wär mehr Home-Office möglich, das kriegen wir schon irgendwie hin. Der Vertrag läuft jedenfalls, vielleicht könnte er ja sogar im Büro eine Stillecke einrichten und gut Essen solle ich jetzt erst einmal. Ich lächele verunsichert zurück und erkläre, dass mein Partner mir und dem kleinen Wesen in mir jeden Morgen einen Vitamin-Shake macht.

Ich bin froh, meinem Chef vor dem Unterschreiben des Vertrags von der Schwangerschaft erzählt zu haben. Es wird sicherlich nicht alles nach Plan laufen, aber es war wichtig, einen zu haben und mein Interesse an der Arbeit zu zeigen. Auch weiß ich jetzt, dass ich unterstützt werde und meine Kompetenzen geschätzt werden. So sehr, dass ich nach nur zwei Monaten Arbeit gleich für drei Monate in Mutterschutz gehen kann, mit der Garantie danach wieder einsteigen zu können. Vor einer Woche habe ich ein interessantes Stellenangebot gefunden. Obwohl ich ja nun eine halbe Stelle habe, die mir für die erste Zeit reicht, werde ich mich drauf bewerben. Ich bin einfach auf das Vorstellungsgespräch gespannt- besonders auf die Reaktionen zu meiner Schwangerschaft.

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