(Deutsch) Schwangerschaft: Don‘t ask. Don‘t tell.

Ich hatte eine junge Dame im Coaching, die gerade ihre Masterarbeit eingereicht hatte, als sie schwanger wurde. Eine Anstellung hatte sie noch nicht, aber ihr Lebenslauf war beeindruckend. Zudem war sie hoch motiviert und verfügte über die Infrastruktur, um Mutterschaft und Karriere zu vereinbaren. „Ein Jahr daheim? Nein, das wäre nichts für mich“, sagte sie bestimmt, „ich möchte und kann direkt nach dem Mutterschutz wieder einsteigen.“ Sie wusste, dass sie einen Job brauchte, in den sie zurückkehren kann. Ich riet ihr, sich ganz normal zu bewerben und nicht zu früh von der Schwangerschaft zu berichten. „Der gesetzliche Rahmen erlaubt es, bis nach Unterschrift des Vertrags stillzuhalten, solange Sie die Infrastruktur haben, die Stelle auch wirklich ausfüllen zu können,“ informierte ich sie.

Der gesetzliche Rahmen erlaubt es, bis nach Unterschrift des Vertrags stillzuhalten, solange Sie die Infrastruktur haben, die Stelle auch wirklich ausfüllen zu können

„Ein Angebot kann Ihnen dann trotz der Schwangerschaft nicht genommen werden.“ Meine Gesprächspartnerin empfand es als angemessen, die Karten erst nach dem Gespräch, jedoch vor Unterzeichnung des Vertrags auf den Tisch zu legen.

Sie bewarb sich auf eine Stelle an einer Universität und wurde sofort eingeladen. Im Gespräch stellte der Professor einige allgemeine Fragen, bohrte aber mindestens genauso interessiert in ihrem Privatleben. Sie beschränkte ihre Antworten auf relevante Informationen für die Stelle und erwähnte ihre Schwangerschaft nicht.

Einige Tage später fand sie eine E-Mail des Professors in ihrem Postfach. „Ich freue mich, Ihnen die Stelle anbieten zu können. Wann könntenshutterstock_141947875 Sie denn genau anfangen?“ Sie überlegte nicht lange und griff zum Telefon: „Ich freue mich sehr über Ihr Stellenangebot, doch möchte ich erwähnen, dass ich schwanger bin. Ich habe aber …“ „Die Stelle kann ich Ihnen so nicht mehr anbieten,“ unterbrach er und fügte noch hinzu: „Ich nehme es Ihnen aber nicht übel.“ Sie versuchte noch nachzuhaken: „Aber wir können doch nach Möglichkeiten suchen, wie wir die Arbeit gestalten?“ Worauf er antwortete: „Auf der Lehrstuhl-Website können Sie sich ja immer wieder nach neuen Stellen erkundigen.“ Damit war das Gespräch beendet.

Dem Professor fehlte es an grundlegenden Kenntnissen des Arbeitsrechts. Es ist aber gefährlich, sich als Gruppenleiter nicht mit dem Recht rund um Anstellung und Zusammenarbeit mit Mitarbeitern zu beschäftigen. Sonst kann es passieren, dass ein Gerichtstermin die wissenschaftliche Arbeit unterbricht.

Der Professor hatte Glück, denn die Bewerberin hatte andere Pläne, als sich vor Gericht zu streiten. Dort hätte sie ihre Stelle erfolgreich einklagen können, das Mutterschutzgesetz und das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz sind hier eindeutig. Ein gut gelaunter Chef wäre nicht im Paket enthalten gewesen.

Karin Bodewits, k.bodewits@naturalscience.careers

Der Text wurde im Original in den Nachrichten aus der Chemie veröffentlicht: 2016,Heft 07/08

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