Hier gehen nicht viele weg- weil´s interessant und sicher ist!

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Ein Gespräch mit Dr. Eleonore Glitz, Projektberaterin beim Projektträger Jülich (PTJ), Bereich Bioökonomie

Forschungszentrum Jülich, Projektträger Jülich: Was für Institutionen sind das eigentlich?

Organisatorisch sind beide miteinander verbunden, das Forschungszentrum macht, wie der Name vermuten lässt, aktive Forschung in verschiedensten gesellschaftlich relevanten Technologiefeldern. Es ist Teil der Helmholtz Gemeinschaft. Der Projektträger Jülich befindet sich auf dem Gelände des Forschungszentrums und nutzt dessen Infrastruktur, ist aber eigenständig. Seine Aufgabe ist die Unterstützung von Bund, Ländern sowie die Europäische Kommission bei der Realisierung ihrer förderpolitischen Zielsetzungen.

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Was machen Sie in Ihrem Job, wie sieht ein typischer Arbeitstag aus?

Im Geschäftsbereich Bioökonomie betreuen wir im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) Förderprojekte aus den unterschiedlichsten Bereichen der Bioökonomie und Biotechnologie von der Einreichung der Entwürfe, bei uns Skizzen genannt, bis zur Prüfung des Schlussberichts und der Verwertung der Projektergebnisse. Konkret heißt das, wir beraten die Antragsteller – das sind Universitäten, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen wie die Max-Planck- oder Fraunhofer-Institute, oder aber Kleine und Mittlere Unternehmen (KMU) – im Vorfeld, organisieren den Begutachtungsprozess. Wir führen dabei durchaus auch eigene gutachterliche Tätigkeiten aus, wir  bearbeiten die Anträge, kontrollieren und betreuen die Projekte anhand von Zwischenberichten bis zum Abschluss des Vorhabens. Während der Projektlaufzeit sind wir Ansprechpartner für Fragen und Probleme aller Art, die wir immer versuchen im Sinne unserer „Kunden“ zu lösen. Auf allen Stufen arbeiten wir sehr eng mit Betriebswirtschaftlern zusammen, die den rechnerischen Teil der Anträge und Abrechnungen auf Richtigkeit überprüfen. Bei all dem müssen wir auch immer die einschlägigen Gesetze, Verordnungen und Verwaltungsverfahrensvorschriften im Hinterkopf haben.

Wir haben die Möglichkeit, Projekte während der Projektlaufzeit zu besuchen und an Projekttreffen teilzunehmen. Die Anzahl der Geschäftsreisen können wir relativ frei bestimmen. Ich selbst bin beispielsweise etwa 5-6- Mal im Jahr für je zwei Tage unterwegs. Es gibt aber auch Kollegen mit vielen internationalen Projekten, die sind dann fast wöchentlich unterwegs.

Darüber hinaus arbeiten wir den zuständigen Referaten im BMBF zu, z.B. mit statistischen Auswertungen zu Fördermaßnahmen, inhaltlichen Stellungnahmen zu „kleinen Anfragen“ im Bundestag oder zu Bürgerfragen an den Petitionsausschuss des Bundestages.

Erzählen Sie uns bitte, wie Sie zum PTJ gekommen sind.

Ich habe Biochemie in Hannover und Metz studiert und in München promoviert. Während der Babypause und Erziehungszeit hatte ich einen Lehrauftrag an einer Fachhochschule. Im Anschluss daran habe ich zwei Jahre im Bereich Wissenschaftsmanagement als Geschäftsstellenleiterin am Department Chemie der LMU München gearbeitet, bevor  ich dann zum PTJ kam, wo ich mich seit meinem Einstieg mit der Förderung von kleinen und mittelständischen Unternehmen, kurz KMUs, beschäftige.

Sie haben nach einer Babypause direkt eine Stelle ergattern können. Wie ging das, was hat hier den Ausschlag zu Ihren Gunsten gegeben?

So einfach war das „Stelle-Ergattern“ Ende der neunziger Jahre nicht. Was letztlich den Ausschlag für die Stelle an der LMU gegeben hat, war die Tatsache, dass ich vor dem Studium eine Ausbildung zur Wirtschaftsassistentin in der chemischen Industrie gemacht habe, das hat mir wohl einen großen Vorteil verschafft. Zudem hatte ich insgesamt sieben Jahre lang einen Lehrauftrag an einer Fachhochschule, den ich auch während Babypause und Erziehungszeit ausführen konnte.

Wie ist der PTJ denn als Arbeitgeber für Mütter, oder allgemeiner: wie familienfreundlich ist er gegenüber den MitarbeiterInnen?

Die Arbeitszeit kann sehr flexibel geregelt werden, man kann sich im Grunde frei aussuchen, wieviel man arbeiten möchte, zwischen 10 und 39 Stunden ist alles möglich, auch die Verteilung auf Heim-oder Büroarbeit geschieht nach individueller Absprache, sofern es einen „Betreuungsfall“ in der Familie gibt. Die eigentliche Arbeit kann man sich – unter Beachtung der vorgegebenen Termine – weitgehend frei einteilen, was natürlich ein hohes Maß an Selbstorganisation erfordert.

Klingt ja alles sehr unkompliziert. Was können Sie den (zukünftigen) Eltern, die sich am Arbeitsmarkt etablieren möchten, mit auf den Weg geben?

Machen Sie sich nicht zu viele Gedanken, ich hatte auch keine feste Stelle, als ich schwanger wurde. Es ergab sich eins nach dem anderen. Bei PtJ beispielsweise sind alle Arbeitsplätze zunächst auf zwei Jahre befristet- allerdings mit einer hohen Wahrscheinlichkeit, in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen zu werden. Planen kann man sowieso nicht allzu viel, ich würde es also wieder so machen wie damals. Meiner Meinung nach laden Arbeitgeber, die sich zu viele Gedanken über die Kinder ihrer potentiellen Arbeitnehmer machen, Frauen erst gar nicht ein. Wenn sich bei PTJ jemand vorstellt und die richtigen Qualifikationen mitbringt, dann sind diese ausschlaggebend für die Einstellung. Es wird davon  ausgegangen, dass sich geeignete Kandidaten ihre Arbeit einteilen können, um ihren Verpflichtungen nachzukommen. Bei uns könnte ich mir auch vorstellen, dass der vielzitierte sog. „Bruch“ im Lebenslauf positiv gesehen wird. Bei unserer Arbeit als Projektberater sind vielseitige Erfahrungen gefragt – ein breites fachliches Wissen, organisatorische Fähigkeiten und durchaus eine Affinität zu Zahlen und Paragrafen. Manche Unterbrechungen im Leben lehren ja gerade diese Vielfalt. Oftmals nehmen wir deshalb Quereinsteiger mittleren Alters, aber natürlich auch einige Berufsanfänger direkt nach der Promotion. Diese kommen dann aber häufig aus dem Forschungszentrum Jülich, haben also schon etwas Stallgeruch.

Der PTJ ist schon sehr um das Wohlergehen seiner Mitarbeiter bemüht; ich arbeite gerne auf unserem grünen Campus.

Und wie ist der PTJ denn allgemein für seine Mitarbeiter? Gibt es etwa Fortbildungsprograme?

Es gibt ein spezielles PTJ-Fortbildungsprogramm, in dem unsere Kernkompetenzen wie rechtliche Aspekte oder zu Beginn das gesamte Förderverfahren vermittelt werden. Außerdem können wir am Fortbildungsprogramm des Forschungszentrums teilnehmen, da ist von der PowerPoint-Schulung bis zu Sport alles dabei. Und wenn man eine Fortbildung nur extern findet, wie z.B. eine Fachtagung, ist das durchaus auch in Ordnung. Der PTJ ist schon sehr um das Wohlergehen seiner Mitarbeiter bemüht; ich arbeite gerne auf unserem grünen Campus. Und wer etwas mehr Stadtleben möchte, könnte sich intern an einen der anderen Standorte bewerben, etwa nach Berlin oder Bonn.

Was sind denn die Voraussetzungen, um beim PTJ genommen zu werden?

Ein breites Überblickswissen, Interesse am Projektmanagement und die Bereitschaft, sich in verschiedenste Themen einzulesen. In den meisten Fällen reicht das Wissen dafür auf „Wikipedia“- Niveau. Auch eine gewisse Affinität zu Verwaltungsvorgängen sollte bestehen. Ein Spezialistenwissen als solches ist in den einzelnen Fachbereichen nicht unbedingt erforderlich, allerdings muss man die Sachverhalte  sehr wohl nachvollziehen können, z.B. mit entsprechender Fachliteratur. Neben den wissenschaftlich-technischen Hintergründen der Anträge geht es noch um die wirtschaftliche Seite, auch die muss verstanden werden. Im Laufe der Zeit bekommt  man ein Gespür dafür, wann etwas fundiert oder fabuliert ist, zum einen was die Zahlen anbetrifft, zum anderen  ob das Projekt wissenschaftlich fundiert und der Lösungsweg technisch realistisch ist. Sie sehen also, die Tätigkeit ist sehr vielseitig, auch die einzelnen Projekte unterscheiden sich stark und sind sehr abwechslungsreich.

Ist das Arbeitsumfeld eher wie in einer Behörde oder wie in der freien Wirtschaft, mit der Sie ja eng zusammenarbeiten?

Die Organisation gleicht  einer Behörde, ganz klar, mit allen Vor- und Nachteilen. Das Gehalt ist nach dem TVöD recht überschaubar, dafür sind die Stellen sehr sicher. Sie sollten aber nicht an starre Strukturen und Hierarchien denken, wenn der Begriff Behörde fällt. Eigentlich sind alle Kollegen und Kolleginnen Hochqualifizierte, was dazu führt, dass die Hierarchien sehr flach sind. Bei uns bearbeitet jeder seine Projekte, nur in wenigen Fällen erhält man Führungsverantwortung über andere Projektberater. Wir  arbeiten hier auch mit einem sehr interdisziplinären Kollegium zusammen, das reicht  von Absolventen eines klassischen Bio-/Chemiestudiums über Physiker bis zu Agrar-, Ernährungs- und Geowissenschaftlern  einerseits und Absolventen betriebswirtschaftlicher Studiengänge aller Art andererseits.

Wieviel Entscheidungsfreiheit haben Sie denn in so einem Umfeld?

Bei der Antrags- und Projektbearbeitung kann ich innerhalb des rechtlichen Rahmens viel selbst entscheiden. Ich kann mir beispielsweise Projekte aussuchen, die ich gerne betreuen möchte.

Die Auswahl der förderwürdigen Projekte liegt letztendlich (formal) beim zuständigen Referat des BMBF. Allerdings wird in der Regel die Förderempfehlung des Gutachtergremiums übernommen, das, je nach Ausschreibung, ein externes Expertengremium sein kann oder aber entsprechend qualifizierte PTJ-Mitarbeiter.

Ist die Konkurrenz um diese Stellen hoch?

Momentan ist die Bewerberlage aus Sicht des PTJ gut, d.h. wir bekommen auf Stellenausschreibungen  sehr viele Bewerbungen. Aus Bewerbersicht ist es daher eine etwas schwierigere Zeit. Auch finden Einstellungen nur aufgrund von Stellenausschreibungen statt. Allerdings besteht für Interessenten die Möglichkeit, für 2 Wochen in unsere Arbeit hinein zu schnuppern oder ein mehrwöchiges Praktikum zu machen.

Wie sind die Anknüpfungspunkte zu anderen Arbeitgebern? Wie ist Ihr Beruf aus der Sicht der Entwicklung eines eigenen Netzwerkes? Wie sähe die berufliche Perspektive aus, wenn Sie den PTJ verlassen wollten?

Es will hier eigentlich kaum jemand weg. In unserem Bereich ist das Arbeiten sehr angenehm und interessant und zudem noch sicher. Wenn man weg wollte… also der Weg zurück in die aktive Forschung klappt nicht, dafür ist man in der Regel zu lange raus. Die Bereiche, in denen man gut unterkommen würde, wären eher in der wissenschaftlichen Verwaltung oder bei Risikokapitalgebern. Darüber hinaus haben wir viele Kontakte in die Ministerien und auf der Projektebene noch mit den Geschäftsführern der KMUs.

Frau Glitz, vielen Dank für das interessante Gespräch.

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