Gesucht: Hybrid aus BWL und Naturwissenschaftler mit ganzheitlichem Beratungsinteresse

Interview mit Dr. Michael Müller, Director bei KPMG

 

Guten Tag Herr Dr. Müller. Was für eine Firma ist denn KPMG genau?

Wir sind eine große Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit insgesamt über 170 000 Mitarbeitern weltweit. Dabei liefert KPMG eine ganze Reihe von Beratungsservices jenseits der Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung, wie z.B. Services im Bereich Deal Advisory und darin auch Strategy.

Sie sind Physiker, wie kommt man als Naturwissenschaftler zu so einer Firma?

Mich hat schon immer der Blick fürs Ganze interessiert und damit die Verbindung unterschiedlichster Fachrichtungen zur ganzheitlichen Lösung eines Problems. Zuerst habe ich Physik, Mathematik und Informatik studiert und danach in Physik promoviert.

Ich begann bei Bayer meine Karriere im Technikbereich und leitete letztendlich einen Geschäftsbereich mit über 600 Mitarbeitern. Meine Aufgaben in dieser Zeit waren sehr vielseitig, Technik, Vertrieb, BWL, ich beschäftigte mich mit der Strategieentwicklung von Bayers Geschäftsbereichen. Ich hatte die ganze Zeit über eine große Personalverantwortung und musste im Rahmen eines Firmenverkaufs auch insgesamt eine sehr große Zahl von Entlassungsgesprächen führen.

Netzwerk ist alles!

Ich gründete danach meine eigene Beratungsfirma, die sich auf Headhunting, Coaching und Strategieberatung für den Mittelstand spezialisierte. Durch Mundpropaganda hat sich das schnell herumgesprochen. Sechs Jahre später brachte ich mich dann bei Stratley ein, einer Beratungs- Boutique, die sich auf die chemische Industrie spezialisierte und auch einen Hidden Champion Award in 2012 gewonnen hat. Vor drei Jahren wurde diese von KPMG übernommen, seither arbeite ich als Director bei KPMG.

Dann haben Sie Ihr Ziel ja erreicht, sehr weit herumzukommen. Wie sind Ihre Kontakte zu Firmen zustande gekommen, lief das alles über „normale“ Bewerbungen?

Netzwerk ist alles! Bei Stratley kannte ich z.B. die Firmengründer, die mich ansprachen. Viele Kontakte habe ich auch aus meiner operativen Zeit oder aus meiner Selbständigkeit. Auf dieser Basis haben sich weitere Kontakte ergeben.

Man hört ja oft, dass gerade die großen Firmen gerne sehr geradlinige Lebensläufe sehen. Wie bewerten Sie sich in dieser Hinsicht und wie wird das bei KPMG gesehen?

Hier sollte man eher von einem roten Faden sprechen, der im Lebenslauf erkennbar sein sollte. Dabei kann es durchaus Abweichungen von einer geraden Linie geben, wenn dies für die eigene Entwicklung zielführend ist und zu einer Bereicherung der eigenen Kompetenzen beiträgt.

Arbeiten denn viele Naturwissenschaftler bei KPMG?

Als Strategiegruppe nehmen wir sicher in KPMG als Wirtschaftsprüfungsgesellschaft eine gewisse Sonderstellung ein. Hier werden betriebswirtschaftliche Problemstellungen mit technischem Hintergrund gelöst. Daher ist hier neben der klassischen  Ausbildung in BWL auch ein technischer Hintergrund interessant. Wir schätzen bei Naturwissenschaftlern  besonders das strukturierte Vorgehen. Studiengänge wie etwa die Wirtschaftschemie kommen bei uns sehr gut an.

Braucht man denn für einen Einstieg bei Ihnen Vorwissen aus der BWL?

Es ist sicherlich ein großer Vorteil, keine Frage.

Wir müssen ein betriebswirtschaftliches Grundverständnis und strukturierte Problemlösung beim Bewerber erkennen können.

Was kann man denn schon während dem Studium oder der Promotion tun, um sich für eine Bewerbung bei KPMG in Stellung zu bringen?

Sie könnten etwa studienbegleitende BWL-und Management Kurse an den Unis besuchen, auch gibt es diese Kurse im Format der Summer Schools, wenn Ihnen das besser passt. Beratungsfirmen bieten solche Summer Schools oder Workshops ebenfalls an, auch KPMG. Hierfür müssen Sie sich bewerben und können dort dann an einer realistischen Fallstudie arbeiten. Natürlich ist das auch eine Gelegenheit, um sich gegenseitig kennenzulernen und Netzwerke aufzubauen. Neben dem Orientierungseffekt können Sie diese Veranstaltungen also als eine Art „Assessment Center light“ betrachten.

Wie steht es mit Praktika bei Ihnen aus, bieten Sie diese auch an?

Ja, das ist auch eine interessante Möglichkeit. Sie arbeiten dann wie ein Junior-Berater im normalen Projektalltag mit und beschäftigen sich mit Recherchen, Projektarbeit und Aktivitäten des Business Developments. Solange Sie noch nicht promoviert sind, können Sie es gerne auch über diesen Weg versuchen. Die promovierten Interessenten müssen den Direkteinstieg versuchen.

Ist es sehr schwierig, so einen Praktikumsplatz zu erhalten?

Wir laden etwa 10% der Bewerber zu Gesprächen ein, davon wiederum erhalten eine hohe Anzahl einen Praktikumsplatz. Der Vorteil ist dann, dass Sie nach dem Praktikum bei gegenseitigem Interesse an einer weiteren Zusammenarbeit bei einem verkürzten Interviewprozess eine sehr gute Chance zur Festanstellung haben.

Worauf sollten Bewerber bei ihren Unterlagen achten?

Gerade die Naturwissenschaftler haben in der Regel weniger Praktika oder Firmenkontakte vorzuweisen als Bewerber aus anderen Fachrichtungen. Aber auch wenn so ein Reinschnuppern bei den zeitintensiven naturwissenschaftlichen Studiengängen schwieriger ist, sollten Sie dennoch unbedingt versuchen, es unterzubekommen.

Welchen Wert hat eine Promotion in der Bewerbung?

Eine Promotion hat zuerst einmal keinen Vorteil, da im Allgemeinen die Beratungserfahrung fehlt. Es gibt aber Bewerber, die während der Promotion auch Beratungserfahrung sammeln konnten. Dann ist es sicher ein Vorteil. Wir achten immer darauf, dass wir die BWL- und Beratungs- Affinität finden.

Und Zertifikate? Muss ich meine eigene Weiterentwicklung notwendigerweise darüber nachweisen oder geht es ums reine Wissen, das ich mir ja auch über ein Selbststudium angeeignet kann?

Zertifikate sind natürlich immer einfacher zu bewerten. Außerdem zeigt es Interesse, wenn man sich um ein Zertifikat bemüht hat. Aber es geht in Ausnahmefällen auch, wenn der Bewerber einen glaubwürdigen Beweis des Selbststudiums erbringen und auch im Bewerbungsgespräch demonstrieren kann.

Und auf welchen Wegen kann ich meine Bewerbung denn losschicken?

Geheime Schleichwege gibt es bei KPMG nicht. Klar ist Netzwerken bei Bewerbungen immer hilfreich, um sich über den zukünftigen Arbeitgeber zu informieren. Sie könnten etwa bei Ihrem Professor oder in Ihrem Netzwerk nachfragen, ob jemand bei KPMG arbeitet. Auch bei einer Direktansprache durchläuft die Bewerbung zusammen mit allen anderen den normalen Prozess. Über meinen Tisch kommen dann die Bewerbungen, die die vorherigen Hürden überwunden haben.

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Vielen Dank für diese wertvollen Einblicke aus der Welt der Beratungen.

 

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