Über tote Fische und ein schönes Lacheln- Körpersprache im Vorstellungsgespräch

Wir hatten eine Stelle ausgeschrieben, für die wir eine Person mit Durchsetzungskraft brauchten. Es ging darum, eine neue Abteilung in einem hart umkämpften Feld zu gründen, der zukünftige Abteilungsleiter würde also etwas Neues aus dem Boden stampfen und interne wie externe Barrieren einreißen müssen. Einer der Bewerber stand mit Fliege und einem Konfirmandenanzug vor dem Besprechungsraum. Als ich ihm die Hand gab, fühlte es sich an wie ein toter Fisch, von dem die durchweichte Panade herunterfällt. Ich habe mich im Gespräch aufrichtig bemüht, die Person und den Experten in ihm zu sehen, doch bekam ich den ersten Eindruck nicht mehr aus meinem Kopf. Ich sah hier schlicht keinen durchsetzungsstarken Abteilungsleiter vor mir.“ [1]

Stundenlang sitzen wir am Schreibtisch, um uns auf das Vorstellungsgespräch vorzubereiten. Die Firmenwebsite, Jahresberichte, Top 100 Fragen im Jobinterview – alles wird mehrmals genau durchgegangen. Auf diese Weise gut vorbereitet gehen wir in den Raum. Zack! Innerhalb einer Sekunde haben die Gesprächspartner bereits entschieden, ob sie uns eine Chance geben, diesen Job zu bekommen, oder nicht. Ein frustrierender Gedanke, nicht wahr? Und das schlimmste daran… wir haben noch nicht einmal etwas von dem gesagt, was wir so gewissenhaft vorbereitet hatten!

shutterstock_141947875In dem Moment, wenn die Tür geöffnet wird, entsteht der erste Eindruck. Die Gehirne der anderen Menschen entscheiden, ob wir Freund oder Feind, sympathetisch oder unsympathetisch, ein potentieller Sexualpartner oder jemand für eine platonische, professionelle Beziehung sind. All diese Entscheidungen laufen unbewusst ab und es ist nicht einfach, den ersten Eindruck zu revidieren und sich nachträglich in eine andere Kategorie zu bewegen. Es kann zwar geschehen, dass wir beispielsweise einen Menschen doch noch sympathisch finden, nachdem wir ihn besser kennengelernt haben, aber was dafür gebraucht wird, ist Zeit. Und Zeit ist während eines Vorstellungsgesprächs leider stark begrenzt. Entsprechend haben Kognitionswissenschaftler herausgefunden dass sie den Ausgang des Gesprächs vorhersagen konnten, nachdem sie lediglich die ersten 15 Sekunden beobachtet hatten, die der Bewerber im Raum war.[2] Wir müssen es also von Anfang an richtig hinkriegen! Aber können wir diesen unbewussten Prozess überhaupt beeinflussen? Ja, das geht! Es ist alles eine Frage der Körpersprache!

Wir haben die beiden Schwestern Anna Lena Marwedel und Luzie Marwedel von EVOBRAIN gefragt, etwas dazu zu sagen:

Also, für unsere Steinzeit (Paleolithicum) Fans ein wenig zur Geschichte und Evolution der Sprache.

In der Entwicklungsgeschichte des Menschen ist die gesprochene Sprache noch sehr neu. Sie hat sich erst vor etwa 100.000 Jahren herausgebildet. Zuvor waren Menschen, ebenso wie andere Tiere, ausschließlich auf ihre Körpersprache angewiesen, um Beziehungen, Gefühle und andere für die Gemeinschaft und das eigene Wohlergehen wichtige Informationen zu vermitteln. Diese deutlich ältere Form der Kommunikation bewahrte sich der Mensch auch nach der Entstehung der Sprache. Beide Methoden, die nonverbale und die verbale, erfüllen dabei unterschiedliche Funktionen im sozialen Miteinander, auch wenn sich diese teilweise überschneiden können. Die Verwendung gesprochener Sprache ermöglicht es uns, abstrakte Inhalte von einem Individuum zum anderen weiterzugeben, etwa kooperative Jagdstrategien oder komplexe Baevolution naturalscience.careersuanleitungen. Diese Fähigkeit zur Weitergabe gewonnener Erkenntnisse über Generationen hinweg bildete den Grundstein für die Entstehung großer Zivilisationen. Im Vorstellungsgespräch ist die gesprochene Sprache wichtig, um die eigenen Sachkenntnisse, die für die Stelle wichtig sind, zu verdeutlichen.

Vereinfacht ausgedrückt beschäftigt sich verbale Kommunikation meist mit anderen Menschen oder Objekten, die in Beziehung zueinander stehen. Körpersprache hingegen erfüllt in erster Linie die Funktion, den eigenen Gefühlszustand nach außen anzuzeigen und den des Gegenübers zu erkennen. Menschen geben – damals wie heute – über Mimik und Gestik ihr Inneres offen preis. Diese Informationen ermöglichen es uns, soziale Situationen richtig einzuschätzen und entsprechend unseren persönlichen Zielen miteinander umzugehen.

Zurück zum Vorstellungsgespräch

Im Vorstellungsgespräch ist die Körpersprache umso wichtiger, denn sie offenbart dem geübten Gesprächsführer die wahren Gefühle des Bewerbers. Das muss nichts Schlechtes sein! Am besten ist es, authentisch zu wirken, denn eine Dissonanz zwischen Körpersprache und Inhalt der verbalen Sprache bemerkt jeder Mensch sofort. Es gibt aber einige Faustregeln:

  1. Augenkontakt suchen, aber nur für einige Sekunden, längeres Starren wirkt aggressiv.
  2. Lächeln: Ein Lächeln drückt aus „ich komme in Freundschaft – ich bin ungefährlich, bitte tu mir nichts, ich tu Dir auch nichts.“
  3. Ein souveräner Händedruck. Aus diesem kulturellen Phänomen kann man eine Wissenschaft[3] machen – wichtig ist vor allem, weder zu stark zu drücken, noch zu lasch.
  4. Eine offene, selbstbewusste, entspannte Körperhaltung.
  5. Klare, feste Stimme.

Und wieso muss ich dass alles machen?

Um während der Bewerbung als selbstsicher wahrgenommen zu werden, sollte Augenkontakt aufgebaut und erwidert werden, ohne jedoch zu starren. Vermeidung von Augenkontakt ist ein Anzeichen für Unsicherheit, während raubtierartiges Fixieren des Gesprächspartners als aggressiv und unangenehm empfunden wird.

Das Lächeln kommt evolutionär vom sogenannten „Angstgrinsen“, das bei unseren Verwandten noch in dieser Form vorhanden ist. Ein Lächeln drückt friedliche Absichten aus und ist deswegen bei Erstkontakten wichtig, um eine positive Stimmung zu erzeugen. Häufiges Lächeln während des Vorstellungsgesprächs ist oft ein Zeichen von Unsicherheit. Das muss nichts Schlimmes sein, denn oft kommt es positiv an, wenn der Kandidat oder die Kandidatin ein bisschen aufgeregt ist.

shutterstock_103445303Die Körperhaltung ist eine wichtige Informationsquelle darüber, wie sich ein Mensch in Beziehung zu anderen in das soziale Gefüge einordnet und welche Rolle er seinen Mitmenschen anbietet. Unterwürfiges Verhalten zeigt sich an einer zusammengesackten Körperhaltung mit gesenktem Kopf und hängenden Schultern. Aggressives Verhalten kann man an angespannter, nach vorne gelehnter Körperhaltung erkennen. Eine entspannte aufrechte Körperhaltung dagegen gibt Ihrer Umwelt zu verstehen, dass kein Angriff zu erwarten ist, allerdings auch keine Unterwerfung. Eine Begegnung „auf Augenhöhe“, die idealerweise in einem Vorstellungsgespräch stattfindet, ist unter diesen Bedingungen am einfachsten.

Die Stimme zählen wir ebenfalls mit zur Körpersprache. Der Klang der Stimme ist, ebenso wie die anderen körpersprachlichen Signale, ein wichtiges Indiz, um den Gemütszustand eines Menschen zu erkennen. Um andere zu überzeugen, ist es empfehlenswert, am Ende des Satzes die Tonlage zu senken. Um freundlich und offen zu wirken, kann sich die Tonlage am Ende des Satzes etwas erhöhen.

So einfach ist es, den ersten Eindruck positiv zu beeinflussen.

 

writingDie Blogaurotinnen Anna Lena Marwedel und Luzie Marwedel arbeiten freiberuflich als Trainerinnen für Körpersprache und nonverbale Kommunikation in ihrer Firma EVOBRAIN. In ihrer Freizeit ist Luzie eine leidenschaftliche Näherin und Köchin. Anna Lena ist Kinoliebhaberin und kreative Schriftstellerin und teilt Luzies Leidenschaft fürs Kochen.

 

Möchten Sie gerne wissen, wie Sie die erste Frage in Ihrem Vorstellungsgespräch beantworten können? Dann lesen Sie unseren Text „90 decisive seconds of the interview… Pitch it!

 

[1]    Quelle: „Karriereführer für Naturwissenschaftlerinnen: Erfolgreich im Berufsleben“, Bodewits, Hauk, Gramlich (2015)

[2]    Quelle: „First Impression Formation in a Job Interview: the first 20 Seconds“, Prickett, Bernieri, & Gada-Jain (2000)

[3]    Zum Weiterlesen: „The influence of handshakes on first impression accuracy“, Social Influence, 6 (2011): 2, 78 – 87

 

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